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Unruhige Beine - schlaflose Nächte (Restless Legs)

Praxis für Neurologie und Psychiatrie

Matthias Freidel
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Dipl. Psych.,
Umweltmedizin, Verkehrsmed. Qualifikation
Brauerst.1-3
24568 Kaltenkirchen
Tel. 04191/84 86
Fax. 04191/89 02 7
www.neuropraxis-freidel.de


Schwerpunkte:




PROTOKOLL

Unruhige Beine - schlaflose Nächte

wolfbier : Ich habe über 10 Jahre RLS. In der Uni Klinik Heidelberg wurde mir Magnesiumcitrat verabreicht, dieses hilft und dient zur Vorbeugung, wenn ich längere Zeit sitzen muß (Konzert u.a.). Dopamin und andere über Leber und Niere abbaubare Wirkstoffe darf ich nicht einnehmen. Nun verschreibt mir mein Arzt aufgrund des Gesundheitsrückschritts kein Magnesium mehr. Was kann ich nun für Medikamente einnehmen, ich weiß keinen Rat mehr.

MATTHIAS FREIDEL : Die Schwierigkeit scheint bei Ihnen zu sein, daß Sie die für die Behandlung dieser Erkrankung zugelassenen und wissenschaftlich wirksamen Medikamente nicht einnehmen dürfen. Gemeint sind L-Dopa-Präparate und/oder Dopamin-Agonisten. Magnesium ist in der Tat nicht verordnungsfähig, da es frei verkäuflich ist. Sie müßten sich das Magnesium selbst in der Apotheke kaufen, da Sie hier ja offensichtlich eine wirksame Substanz zur Verfügung haben. Eine zweite Möglichkeit wäre, eventuell unter ärztlicher Kontrolle doch einen Versuch mit einem Dopamin-Agonisten zu unternehmen (z. B. Ropinirol, da für diese Substanz der Zulassungsantrag für RLS gestellt wurde). Wir erwarten für 2006 die Zulassung für die Substanz Pramipexol. Eventuell könnte auch mit dieser Substanz unter ärztlicher Aufsicht ein Versuch unternommen werden.

pollux : Ich bin 37 und weiblich, habe das Problem hin und wieder, muss die Beine dann ständig bewegen, das Gefühl ist unangenehm. Es taucht zu unterschiedlichen Tageszeiten auf. Kann ich grundsätzlich etwas zur Vorbeugung tun, damit es nicht mehr wird?

MATTHIAS FREIDEL : Hauptkennzeichen des Restless-Legs-Syndroms sind diagnostische Kriterien wie zwanghafte Bewegungsunruhe, Verstärkung abends oder wenn Sie zur Ruhe kommen und Zunahme der Beschwerden im Bett bzw. beim Schlafen. Bei Ihnen tauchen die Symptome, wie beschrieben, primär zu unterschiedlichen Tageszeiten auf. Es empfiehlt sich hier mit Ihrem behandelnden Hausarzt oder Neurologe die differenzierte Diagnostik zu durchlaufen, ob es sich überhaupt um ein Restless-Legs-Syndrom handelt. Bevor Medikamente gegeben werden, sollten andere Krankheiten, die ebenfalls Bewegungsunruhe und Mißempfindungen auslösen können, sicher ausgeschlossen sein.

Maxi : Ich habe eine 10-jährige Tochter, die am Williams-Beuren-Syndrom erkrankt ist. Wesentliches Symptom des Syndroms sind bei ihr sind Aorten- und Pulmonal-Stenosen (in Behandlung) sowie geistige Behinderung. In früherer Kindheit traten nachts häufiger Beinbeschwerden auf, die sie als starke Schmerzen beschrieb. Jetzt hat es nachgelassen (1/2-jährlich 1x ca.) Kinderärzte erklärten es mit Wachstumsbeschwerden. Ist es möglich, dass bei meiner Tochter auch dieses RLS vorliegt? (Abhilfe konnten wir bisher mit der Gabe von Paracetamol schaffen).

MATTHIAS FREIDEL : Leider wissen wir, daß RLS nicht nur eine Erkrankung des Erwachsenenalters ist. Bei Kindern und Jugendlichen sollte allerdings die genaue Diagnosefindung zwingend im Rahmen eine Schlaflaboruntersuchung durchgeführt werden. Bitte wenden Sie sich an Ihren behandelnden Kinderarzt oder Kinderneurologen, um in einem nahegelegenen Schlaflabor eine entsprechende Untersuchung durchführen zu lassen. Die Diagnosefindung kann schwierig sein, da Unruhe der Extremitäten in Verbindung mit anderen Erkrankungen in der Abgrenzung problematisch sein kann.

anna : Ich bin 75 Jahre alt und nehme seit 1 Jahr das Medikament Restex für die Nacht. Leider wurden die Beschwerden seitdem schlimmer, so dass ich jetzt auch am Tage und in der Früh um 5 Uhr schon die Beschwerden habe. Ich bin am verzweifeln, will den Konsum auch nicht steigern, sonst wird es ja immer schlimmer. Was kann ich tun?

MATTHIAS FREIDEL : Goldstandard für die Behandlung des RLS ist ein L-Dopa-Präparat wie Restex. Wir wissen, daß im Rahmen einer sog. Augmentation paradoxe Effekte in der Reaktion auf diese Substanz auftreten können und die Beschwerden auch tagsüber auftreten. In diesem Falle sollte von der weiteren Gabe von Restex abgesehen werden und statt dessen mit einem Dopaminagonisten behandelt werden. Dies sollte aber in engem Kontakt mit Ihrem Hausarzt/Internisten/Neurologen erfolgen, da aufgrund Ihres Alters die Nebenwirkungsprofile dieser Substanzen genau beachtet werden müssen.

Rastatt : Ich kann keine Nacht durchschlafen. Ist das normal? Ich habe das Gefühl, ich erschrecke mich über mich selbst, weil manchmal ein großes Zucken durch meinen ganzen Körper geht, wenn ich im Bett liege.

MATTHIAS FREIDEL : Leitsymptome eines Restless-Legs-Syndroms sind Bewegungsdrang in den Beinen, wenn Sie im Bett liegen, Unruhe, Kribbeln, Jucken, Reißen in den Gliedmaßen, wenn Sie in Ruhe sind, Verstärkung der Beschwerden in Ruhe, Verstärkung der Beschwerden abends oder in der Nacht. Wenn von diesen vier Tatsachen alle von Ihnen mit einem "Ja" beantwortet werden können, wäre dies ein deutlicher Hinweis auf das Vorliegen eines Restless-Legs-Syndroms. Trotzdem sind andere Erkrankungen, bei denen ähnliche Symptome als Folge auftreten, abzuklären. In Ihrem Falle wäre eine Schlaflaboruntersuchung sicherlich sinnvoll, da Ihre Beschwerden hauptsächlich in der Nacht auftreten und wie von Ihnen beschrieben, mit motorischen Entäußerungen einhergehen. Vorab wäre eine hausärztlich internistische einschließlich ausführlicher Laboruntersuchung sinnvoll. In diesem Zusammenhang muß man natürlich auch an möglicherweise psychogene Schlafstörungen denken.

anonym : Gibt es ein Medikament, dass man einnehmen kann und schnellen Erfolg bekommt, wenn Restex nicht mehr genügend wirkt?

MATTHIAS FREIDEL : Leider lautet in Deutschland zur Zeit die Frage nicht mehr, was man einnehmen kann, sondern was man einnehmen darf. Gemeint ist die Zulassung von Medikamenten zur Gabe bei bestimmten Erkrankungen. Das zur Zeit einzige zugelassene Medikament für RLS ist Restex. Für die Substanz Ropinirol (Handelsname Requip) ist der Zulassungsantrag für RLS gestellt, es kann daher verordnet werden. Andere Substanzgruppen der sog. Dopamin-Agonisten, die ebenfalls als Mittel erster Wahl gelten, sind in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich belegt, haben aber keine Zulassung. Ihr behandelnder Arzt würde bei der Verschreibung derartiger Substanzen unter Umständen einen Regreß durch die Kostenträger erhalten. Sollte bei Ihnen eine derartige Substanz mit guter Wirkung ausprobiert worden sein, müßten Sie als Betroffener / Betroffene mit einer Kostenübernahme der Behandlung zu Ihrer Krankenkasse gehen.

anonym : Werden alle Medikamente (außer Restex) von der Kasse übernommen? Wenn nicht, was kann man unternehmen?

MATTHIAS FREIDEL : Sie schneiden die heißeste aller Fragen bei der Behandlung des RLS zur Zeit an. Aufgrund der doch sehr großen Regreßgefahr durch die Kostenträger (eigene leidvolle Erfahrung), sollte ein behandelnder Arzt / Neurologe mit Ihnen beraten, welche Substanzen für Sie in Frage kämen, falls Sie Restex nicht mehr vertragen oder es deutlich an Wirkung verliert. Ggf. wäre die Zweitmeinung beispielsweise einer Klinik sinnvoll. Mit der Maßgabe, daß ein nicht zugelassenes Medikament sich als hilfreich erwiesen hat, müßten Sie als Betroffener den Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse stellen. Bei Ablehnung sollte ein Schiedsausschuß in Anspruch genommen werden. Betroffene haben außerdem die Möglichkeit, bei Ablehnung ein Sozialgerichtsverfahren anzustrengen, daß für Sie kostenneutral wäre. Es gibt in Deutschland inzwischen mehrere Sozialgerichtsurteile, die den Betroffenen die Behandlung mit nicht zugelassenen Medikamenten zugestehen. Leider ein sehr leidvoller Weg. Hilfe bietet hier u. a. die Deutsche Restless-Leg Liga.

anonym : Woher kommt dieses Zucken, besonders im Schlaf, hat das was mit der Psyche zu tun?

MATTHIAS FREIDEL : Eine ganz wichtige Feststellung ist, daß ein sicher diagnostiziertes und unzweifelhaft vorliegendes Restless-Legs-Syndrom nichts mit der Psyche zu tun hat. Es handelt sich um eine Erkrankung, die erstmals bereits im 17. Jahrhundert beschrieben wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde sie entsprechend dem Zeitgeist mehr in die psychiatrisch neurotische Ecke geschoben. Erst seit 1945 wird das RLS als körperlich faßbare neurologische Erkrankung begriffen. Ob Ihr Zucken im Schlaf ein Restless-Legs-Syndrom ist, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Es gibt beim RLS nächtliche unwillkürliche Beinbewegung (PLM). Diese Beinbewegungen können aber auch eigenständig als Krankheit auftreten und haben dann nichts mit RLS zu tun.

anna75 : Ich nehme das Medikament Restex, daraufhin wurden meine Beschwerden schlimmer. Was kann ich machen?

MATTHIAS FREIDEL : Leider geht aus Ihrer Frage nicht hervor, ob Sie sicher an einem RLS leiden und wie lange Sie Restex schon einnehmen. Es ist bekannt, daß bei längerer Einnahme von Restex Wirkverlust oder paradoxe Reaktionen auftreten können, jedoch nur, wenn ein gesichertes RLS vorliegt, wäre dann die Empfehlung, die Behandlung auf einen Dopamin-Agonisten umzustellen.

Fürchtenich : Was sind sichere Anzeigen für RLS?

MATTHIAS FREIDEL : Sichere Anzeichen für ein Restless-Legs-Syndrom sind unwillkürlicher Bewegungsdrang in den Beinen, wenn Sie - meist abends - zur Ruhe kommen oder wenn Sie im Bett liegen. Häufig ist der Bewegungsdrang vergesellschaftet mit Mißempfindungen in den Beinen, wobei in der Regel ein symmetrischer Befall vorliegt. Ganz selten treten diese Mißempfindungen auch in den oberen Extremitäten auf. Die Beschwerden verstärken sich in Ruhe / abends oder in der Nacht. Es gibt sehr viele Betroffene, die über einen nächtlichen Hauptbefall zwischen 1 Uhr und 3 Uhr nachts berichten. Dies kann durch wissenschaftliche Hypothesen erklärt werden, da die Restless-Legs-Krankheit mit einem gestörten Stoffwechsel eines Botenstoffes im Gehirn zu tun hat (Dopamin) und dafür eine zirkadiale Periodik bekannt ist, auch in Abhängigkeit der Körpertemperatur. Umhergehen und Bewegen lindert die Beschwerden, genauso wie Kühlen der Beine kurzzeitig eine Linderung bringen kann. Die Behandlung allerdings ist primär medikamentös. Zur Klärung anderer Erkrankungen, die ebenfalls solche Symptome produzieren können, wären vom Hausarzt primär Nierenerkrankungen, Störungen des Eisenstoffwechsels, periphere Durchblutungsstörungen und eine Kontrolle verabreichter Medikamente zu nennen. Es gibt Substanzen, die bei anderen Krankheiten zur Behandlung gut wirken, als Nebenwirkung aber Symptome eines Restless-Legs-Syndromes auslösen können.

anonym : Gibt es Erkenntnisse darüber, wie RLS entsteht? Wie bekomme ich diese Krankheit und was passiert da genau in meinen Beinen?

MATTHIAS FREIDEL : Die Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht bekannt. Es gibt viele wissenschaftliche Hypothesen, die sich teilweise bestätigt haben, teilweise völlig ins Leere laufen. Gestört ist der Stoffwechsel im Gehirn mit einer bestimmten Überträgersubstanz namens Dopamin. Daher wirken derartige Medikamente bei dieser Erkrankung. Grundsätzlich unterscheidet man ein sog. idiopathisches RLS und ein symptomatisches RLS. Beim idiopathischen RLS liegen häufig familiäre Anlagefaktoren vor. Es wurden auch drei Gen-Orte bereits identifiziert. Unter einem symptomatischen RLS versteht man das Auftreten der Symptome in Folge einer anderen Erkrankung. Hier sind an erster Stelle Nierenerkrankungen zu nennen sowie Eisenmangelerkrankungen. Auch periphere Durchblutungsstörungen, die Gabe bestimmter Medikamente oder andere schwerere Erkrankungen wie das Parkinson-Syndrom können RLS-Symptome produzieren. Die symptomatische Form ist durch eine genaue Untersuchung Ihres Hausarztes oder Neurologen eigentlich gut faßbar oder auszuschließen. Die Krankheit liegt jedoch nicht in Ihren Beinen, sondern beruht auf einem Fehler in der zentralen Steuerung von Gehirn und Rückenmark.

anonym : Sind mehr Männer oder mehr Frauen davon betroffen?

MATTHIAS FREIDEL : Bislang ging man davon aus, daß Männer zu Frauen wie 1:2 von der Krankheit betroffen sind. Es gibt jedoch auch neuere Hinweise, die dies in Frage stellen. Sicher ist, daß das Risiko für RLS bei Frauen, die geboren haben, größer ist. Sehr groß ist das Risiko bei Müttern, die gleichzeitig Blutspenderinnen sind. Auch während der Schwangerschaft können RLS-Syndrome auftreten.

Marlies : Ab wann muß man diese Missempfinden behandeln, gibt es da Stadien zu berücksichtigen und wenn man zu spät damit anfängt, bekommt man es nicht mehr richtig in den Griff? Oder anders gefragt: Wenn man rechtzeitig behandelt, kann man dann das Fortschreiten mit Schmerzen usw. (hat eine Freundin von mir) verhindern?

MATTHIAS FREIDEL : Der Startschuß für eine Behandlung liegt natürlich bei der subjektiven Betroffenheit und Gestörtheit des Kranken. D. h. mit anderen Worten, wenn der Betroffene unter den Symptomen leidet. Von ärztlicher Seite her wird empfohlen, daß eine Behandlung durchgeführt wird, wenn Einschlaf- und Durchschlafstörungen vorliegen und dadurch bedingt Tagesmüdigkeit auftritt, da diese im sozialen Bereich für den Betroffenen erhebliche Folgen und Einschränkungen haben kann. Eine später einsetzende Behandlung hat mit dem Verlauf der Krankheit nichts zu tun. Da eine Behandlung nicht heilen kann, sondern die Symptome behandelt. Man könnte bei geringer Betroffenheit also durchaus mit einer Behandlung warten. Die Entscheidung trifft der Patient.

anonym : Was macht ein Neurologe, um eine Diagnose zu stellen?

MATTHIAS FREIDEL : Grundlage der Diagnose ist die extrem genaue Anamnese, d. h. die Befunderhebung mit dem Betroffenen. Mit Fragen, wann treten die Beschwerden auf, in welcher Form, in welcher Ausprägung, was verstärkt die Beschwerden usw. Gleichzeitig schließt der Neurologe andere Erkrankungen aus, die diese Symptome ebenfalls produzieren können. Bei einem Restless-Legs-Syndrom ist der körperlich neurologische Status unauffällig. Es kann gelegentlich notwendig sein, zur Abgrenzung eine Bestimmung der Nervenleit-geschwindigkeit an den Beinen durchzuführen. Parallel wird eine Laboruntersuchung gemacht, um Nierenerkrankungen oder Eisenmangel als Ursache auszuschließen. Der Neurologe ist aber gleichzeitig auf die Hilfe von Hausarzt und/oder Internist angewiesen, um auch hier andere Krankheiten, die diese Symptome verursachen könnten, auszuschließen. Oftmals läuft die Diagnostik dann auf einen Versuch hinaus, mit einem zugelassenen Medikament eine Linderung der Beschwerden zu bewirken. Dies gelingt natürlich nur bei einem richtigen RLS, eine plazeboartige psychogene Wirkung könnte natürlich auch vorliegen. Wenn die Diagnose gestellt ist, kann das RLS sehr gut behandelt werden, sowohl beim Facharzt als auch beim Hausarzt.

VolkerMaas : Wie lange muß man solche Medikamente nehmen? Kann man die auch wieder absetzen?

MATTHIAS FREIDEL : Das Restless-Legs-Syndrom hat die Eigenheit, daß die Symptome nicht immer auftreten müssen. Es gibt beschwerdefreie Intervalle. Auch die Intensität der Beschwerden muß nicht immer gleich sein und kann wechseln. Man kann eine Medikamentengabe durchaus der momentanen Ausprägung der Symptome anpassen. Schwierig wird es dann, wenn durch die Symptome in Folge Schlafstörungen Tagesmüdigkeit auftritt. Dann sollte kontinuierlich zumindest zur Nacht behandelt werden. Ein Absetzversuch ist natürlich jederzeit möglich. An dieser Stelle sollte man jedoch darauf hinweisen, daß die Krankheit nicht heilbar ist. Es gibt auch keine Hinweise auf Spontanheilungen. Sollte sich im Laufe der Krankheit die Symptomatik nicht verschlechtern, könnten durchaus im Einzelfall auch alternative Methoden ausprobiert werden, auch wenn es für diese keine wissenschaftlich abgesicherten Wirkungsbelege gibt (z. B. Akupunktur oder ähnliches).

Yagci : Geht dieses Zucken auch wieder weg? Ich war erst beim Hausarzt, dann wurde die Durchblutung meiner Beine gemessen und jetzt soll ich warten, ob sich das wieder legt. Bleibt aber seit 6 Monaten gleich. Ich bin immer müde, weil ich nicht zur Ruhe komme. Gibt es eine Empfehlung des Experten? Ich wäre sehr dankbar dafür. Bin Typ I Diabetiker und habe den Eindruck, dass ich eine Polyneuropathie entwickele. Mein Hausarzt hat immer gesagt, ich soll darauf achten, wenn das beginnt, aber letztlich könne man wenig machen. Jetzt kribbelt es seit einiger Zeit, manchmal mit Schmerzen verbunden. Wie kann man denn jetzt diese Restless-legs und eine Polyneuropathie unterscheiden? Das muß doch sicherlich unterschiedlich behandelt werden

MATTHIAS FREIDEL : Hier handelt es sich in der Differenzialdiagnose sicher um einen komplizierten Sachverhalt. Da sowohl die Polyneuropathie als auch das ohne weitere Ursachenkrankheit auftretende RLS diese Symptome hervorruft. Wenn bei Ihnen sicher eine Polyneuropathie festgestellt worden ist (Elektroneurographie durch den Neurologen?), hat die Behandlung dieser diabetischen Begleiterkrankung sicher Vorrang. Die Abgrenzung zum RLS ist problematisch, ich würde in diesem Falle versuchsweise zur Nacht ein L-Dopa-Präparat geben, wenn Ihr Diabetologe nichts dagegen hat. Bei der Behandlung der Polyneuropathie muß allerdings aufgepaßt werden, daß Sie nicht Substanzen erhalten, die selbst wieder RLS-Symptome erzeugen können. Im Zweifelsfalle sollte sich Ihr behandelnder Arzt mit dieser Frage an einen Experten wenden. Eine Substanz, die bei polyneuropathischen Schmerzen sehr gut wirkt und versuchsweise für ein RLS ebenfalls gegeben werden kann (dafür aber nicht zugelassen ist!) wäre Gabapentin.

anonym : Mir hat ein Arzt gesagt, dass Kribbeln und Zuckungen psychogene Störungen sein sollen. Heißt das, ich muß zum Psychotherapeuten? Wegen Kribbeln? Das erscheint mir sehr abwegig, aber ich möchte schon, dass das aufhört und ich wieder in Ruhe schlafen kann. Soll ich den Weg jetzt gehen zum Psychotherapeuten?

MATTHIAS FREIDEL : Natürlich ist es sehr schwer, wenn man jemanden nicht kennt, zu sagen, es wäre nicht psychisch bedingt. Meine Erfahrung zeigt, daß leider sehr viele RLS-Patienten jahrelang als psychogen fehl diagnostiziert wurden. Dies entspricht durchaus auch der Historie der Erkrankung, die ja schon im 17. Jahrhundert erstmals beschrieben wurde und lange Jahre als neurotisch-psychiatrische Erkrankung galt. In der modernen Neurologie ist das RLS eine faßbare körperliche bedingte neurologische Erkrankung. Beim Klären diagnostischer Kriterien, ob eine solche Krankheit vorliegt oder nicht, spielt natürlich die Psyche eine gleichberechtigte Rolle neben der körperlichen Medizin. Sie sollten in Ihrem Falle einen Neurologen aufsuchen oder den Neurologen wechseln, um eine fundierte Differenzialdiagnostik durchführen zu lassen und Ihnen mit einer sicheren Diagnose zu helfen.

FAnett_Bleick : Wie unterscheiden sich Dicke Füße mit Brennen von Restless Legs?

MATTHIAS FREIDEL : "Dicke Füße" können primär ganz andere Ursachen haben. Ich denke an venöse Abflußstörungen oder an Wassereinlagerungen anderer Ursachen. Natürlich können Symptome wie bei einem Restless-Legs-Syndrom vorliegen. Auf den ersten Blick hätte ich hier aber Schwierigkeiten, von einem Restless-Legs-Syndrom ansich zu sprechen. Ihre Schwellungen der Füße sollten daher primär von einem Internisten oder Gefäßspezialisten geklärt werden. Unter Umständen kann eine Behandlung auf diesem Gebiet Ihre Mißempfindungen beseitigen.

Sommer : Haben Besenreiser an den Beinen und unruhige Beine nachts etwas miteinander zu tun? Bei mir wurde eine venöse Insuffizienz festgestellt.

MATTHIAS FREIDEL : Die chronisch venöse Insuffizienz an den Beinen kann ein symptomatisches Restless-Legs-Syndrom auslösen. Die Therapie hier wäre aber nicht die eines RLS, sondern die Behandlung Ihrer Venenerkrankung. Ich würde dies von einem Gefäßchirurgen untersuchen und klären lassen. Eventuell helfen Kompressionsstrümpfe oder - wenn per Ultraschall eine chronisch venöse Insuffizienz festgestellt worden ist - auch eine Operation.

Hanna : Mein Venenspezialist hat mir empfohlen meine Krampfadern entfernen zu lassen, damit meine Beine zur Ruhe kommen. Das habe ich vor 8 Wochen rechts machen lassen. Eigentlich sollte jetzt das linke Bein drankommen, aber ich spüre rechts keine Besserung. Die Unruhe ist geblieben, inzwischen habe ich sogar manchmal richtige Schmerzen. Ich kann mich deshalb nicht entschließen, auch noch links die Krampfadern entfernen zu lassen. Mache ich damit einen Fehler?

MATTHIAS FREIDEL : Bitte sehen Sie mir nach, daß ich als Neurologe keine gefäßchirurgischen Empfehlungen geben kann. Sollten Sie also links Krampfadern haben, würde ich nicht zögern, diese auch operieren zu lassen. Es kann jedoch sein, daß Sie etwas flapsig ausgedrückt "Läuse und Flöhe" haben. Wenn also Ihre chronisch venöse Insuffizienz durch Operation gut behandelt ist, Ihre Beschwerden aber bleiben, sollten Sie einen Neurologen zur fundierten Diagnostik in Richtung eines möglichen RLS aufsuchen.

Pallandt : Was ist ein Wurzelreizsyndrom?

: MATTHIAS FREIDEL

Schaefer : Kann man diesem abendlichen Kribbeln mit zeitweiligen Schmerzen durch nordic-walking entgegenwirken?

MATTHIAS FREIDEL : Bewegung der Beine führt zu einer Reduktion der Symptome beim RLS. Sobald Sie allerdings mit der Bewegung aufhören und wieder zur Ruhe kommen, würden bei Beschwerden, die durch ein sicher diagnostiziertes RLS bedingt sind, sofort wieder auftreten. Ein nachhaltiger Effekt oder eine Prophylaxe kann durch das auf anderen Gebieten sicher wärmsten zu empfehlende Nordic-Walking nicht geleistet werden.

Andrea_Groth : Ich weiß, dass es ein Medikament gibt gegen dieses RLS aber ich habe Angst davor, weil das wohl bei den Nerven ansetzt und ich möchte da keine Eingriffe. Was für Medikamente gibt es überhaupt dagegen?

MATTHIAS FREIDEL : Leider führen aufgrund wissenschaftlicher Ergebnisse nur medikamentöse Behandlungen zu nachhaltigen Besserungen. Was nicht heißt, daß im Einzelfall, alternative Methoden durchaus wirken können. Medikamente, auch pflanzliche Substanzen, haben immer Nebenwirkungen. Sie müßten also bei Ihrer Entscheidung individuell abwägen, wo Ihre Schwerpunkte oder Interessen liegen. Die zugelassenen Medikamente sind Restex, für Ropinirol ist der Zulassungsantrag für RLS gestellt. Die anderen Möglichkeiten, wie Dopamin-Agonisten (z. B. Cabergolin, Pramipexol oder Pergolid) sind in ihrer Wirksamkeit ausreichend belegt, auch durch Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie empfohlen, werden aber nicht von den Kostenträgern erstattet.

Krohn : Wir haben eine Tochter (8), die kaum zur Ruhe zu bringen ist. Der Arzt sagt, sie sei ein ADHS-Kind und sie soll zur Beruhigung Medikamente bekommen. Ich bin strikt dagegen! Andererseits ist sie eine extreme Belastung für die Familie. Gehört RLS als Weiterentwicklung im Erwachsenenleben dazu?

MATTHIAS FREIDEL : RLS ist sicher keine erwachsene Form eines kindlichen ADHS. Leider kann ein RLS-Syndrom auch bei Kindern auftreten. Die Abgrenzung zu einem ADHS ist jedoch extrem schwierig und sollte hier nur sowohl von einem mit ADHS erfahrenen Arzt als auch einem Kinderneurologen getroffen werden. Unter Umständen ist hier eine Schlaflaboruntersuchung sinnvoll und notwendig.

Uschi Gronau : Kann man zur Linderung des RLS parallel zur Medikation auf den Stoffwechsel einwirken? Auf welche Stoffe, Vitamine, Mineralien etc. muss man besonders achten? Ist eine Blutuntersuchung sinnvoll und was muss man dabei besonders untersuchen/beachten?

MATTHIAS FREIDEL : Offensichtlich erhalten Sie medikamentöse Hilfe für Ihr RLS. Die mehr alternative Linderung bezogen auf den Stoffwechsel würde bedeuten, daß insbesondere belastende Faktoren gegen Abend und zur Nacht möglichst minimiert werden. Gemeint ist: Absoluter Alkoholverzicht, Verzicht auf größere und/oder schwer verdauliche Mahlzeiten abends, Koffein und Nikotin. Andere Stoffe, wie Vitamine oder Mineralien, werden häufig angeboten, können im Einzelfall mit positiver Wirkung erlebt werden. Es gibt für diese Substanzen und Stoffe jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis Ihrer Wirksamkeit, der über den Zufall hinaus geht. Eine Blutuntersuchung ist nur im Rahmen der Erstdiagnostik sinnvoll. Es sei denn, daß Sie parallel an einer anderen Krankheit leiden, bei denen eine regelmäßige Blutuntersuchung sinnvoll ist.

anonym : Ich bin im 6. Monat schwanger und habe jetzt Diabetes. Was mich sehr geschockt hat, aber mein Frauenarzt sagt, das würde nachher wieder weggehen, von allein. Jetzt die Frage, kann mein Kribbeln in den Beinen, nachts sogar Schmerzen!, auch mit der Schwangerschaft zusammenhängen und dann geht das auch wieder weg?

MATTHIAS FREIDEL : Die Schwangerschaft und die damit verbundenen Veränderungen des Stoffwechsels, insbesondere des Eisenstoffwechsels, ist wie ein roter Faden in der Geschichte des RLS. Man muß davon ausgehen, daß Ihre Beschwerden nach der Schwangerschaft wieder verschwinden. Sie sollten sich aber nicht nur wegen eines möglichen symptomatischen RLS, sondern auch wegen möglicher Begleiterkrankungen Ihres Diabetes nach der Entbindung mit einem Neurologen in Verbindung setzen. Die Behandlung Ihrer Beschwerden während der Schwangerschaft ist sicher problematisch, da die ansonsten möglichen Medikamente hier nicht gegeben werden können. Sie müßten sich zur Linderung wohl oder übel mit alternativen Methoden behelfen (Vermeidung von anderen belastenden Faktoren, Kühlung der Beine, eventuell Bewegung, wenn die Beschwerden zu stark werden und nach Rücksprache mit Ihrem Gynäkologen eventuell ein verträgliches Schlafmittel).

AnjaSchneider : Ich wollte immer gern Blutspenderin sein und habe das lange versucht, indem ich viele Eisentabletten genommen habe. Irgendwann haben sie mich nach Hause geschickt mit der Bemerkung, sie könnten das jetzt nicht mehr verantworten. Seither nehme ich keine Eisentabletten mehr und komme eigentlich ganz gut zurecht. Jetzt hat mir mein Hausarzt gesagt, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte zwischen Eisenmangel und meinen Beinen. Besonders nachts habe ich Kribbeln, manchmal schmerzhaft und auch Zucken beim Einschlafen. Kann der Experte mir das beantworten, vielen Dank für die Mühe.

MATTHIAS FREIDEL : Eisenmangel, sei es einfach so oder im Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Blutspenden, ist als Ursache eines symptomatischen RLS bekannt. Sollten Sie tatsächlich an einem symptomatischen RLS leiden, wäre weiteres Blutspenden absolut contraindiziert. Die primäre Behandlung Ihrer Beschwerden wäre dann die Behebung Ihres Eisenmangels, wobei diese Behandlung länger durchgeführt werden sollte und nicht bei Erreichen eines normalen Eisenspiegels abgebrochen wird. Dies natürlich nur unter ärztlicher Kontrolle. Erst, wenn trotz normalen Eisenstoffwechsels Ihre Beschwerden bleiben, sollte die Behandlung mit einem L-Dopa-Präparat versucht werden. Hierzu sollten Sie aber von Ihrem Hausarzt nochmals zu einem Neurologen überwiesen werden.

Edina : Gibt es da irgendwie eine Möglichkeit der Vorbeugung? Ist doch denkbar ungünstig erst warten zu müssen dass es kommt, wenn man was dagegen tun kann. Ich habe manchmal Bewegungsstörungen in den Händen. Hängt das zusammen?

MATTHIAS FREIDEL : Wenn eine Bewegungsstörung primär in den Händen auftaucht, ist es extrem unwahrscheinlich, daß es sich um ein RLS handelt. Die Beschwerden beim RLS treten überwiegend zuerst in den unteren Extremitäten auf. Eine Vorbeugung gegen das Auftreten dieser Erkrankung gibt es nicht. Es fehlen jegliche Markersysteme, um im Vorfeld bestimmen zu können, ob die Krankheit bei jemandem vorliegt oder ausbrechen könnte. Man kann also leider nichts anderes tun als abwarten, auch nicht anders, wie bei vielen anderen Erkrankungen.

Lulu : Kriegt man dieses Beinzucken als Folge einer anderen Krankheit?

MATTHIAS FREIDEL : Man unterscheidet ein sog. idiopathisches RLS. Hier ist die Krankheit als solche gemeint. Bei Auftreten in jüngerem Alter weiß man, daß das idiopathische RLS anlagebedingt ist. Es gibt hier schon drei Gen-Orte, die bei Merkmalsträgern identifiziert wurden. Oft lassen sich stammbaumartig in mehreren Generationen Betroffene feststellen. Wenn die Beschwerden, wie Bewegungsunruhe, Beinzucken, Mißempfindungen in Folge einer anderen Krankheit auftreten, spricht man vom sog. symptomatischen RLS. An erster Stelle stehen hier Nierenerkrankungen, Störungen des Eisenstoffwechsels, Durchblutungsstörungen der Beine und Gabe bestimmter Medikamente.

anonym : Wie sind die weiteren Leidenswege eines RLS Patienten im Laufe der Jahre? Werden die Beschwerden schlimmer?

MATTHIAS FREIDEL : Die Ausprägung der Erkrankung ist sehr variabel. Nicht bei jedem RLS-Patienten müssen die Beschwerden zwangsläufig schlimmer werden. Eine Voraussage ist allerdings nicht möglich, sondern kann nur durch die Beobachtung Ihrer Beschwerden oder der Reaktion auf gegebene Medikamente erfolgen. Ein RLS-Patient unter Behandlung sollte doch mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt zu seinem behandelnden Arzt halten. Wenn die Beschwerden schlimmer werden, gibt es Möglichkeiten, die Behandlung zu modifizieren, auch wenn dies zur Zeit auf große rechtliche Probleme stößt. Aber auch die Forschung im Hinblick auf Behandlungsalternativen ist aktiv. Wir werden in den nächsten zwei Jahren mit Sicherheit zwei Zulassungen von Medikamenten für RLS erhalten.

PBrachmann : Wieso ist das in den Beinen und nicht in den Armen?

MATTHIAS FREIDEL : Dies ist im Rahmen der heutigen Sprechstunde die erste Frage, die ich nicht ausreichend begründbar beantworten kann.

Rainer : Geht das auch wieder weg oder so weit zurück dass ich irgendwann wieder ungestört schlafen kann?

MATTHIAS FREIDEL : Die Symptome und der Verlauf der Erkrankung sind variabel und folgen keiner einheitlichen Regel. D. h. es kann beschwerdefreie Intervalle geben, genauso wie die Intensität der Beschwerden sich sowohl positiv als auch negativ verändern kann. Im Einzelfall ist es denkbar, daß durchaus auch längere beschwerdefreie Perioden auftreten. Mir ist jedoch kein Fall bekannt, wo bei einem gesicherten Restless-Legs-Syndrom die Krankheit spontan symptomlos wird und keinerlei Beschwerden mehr auftreten.

Uschi Gronau : Hilft Akupunktur oder eine spezielle chinesische Ernährung bei RLS?

MATTHIAS FREIDEL : Im Einzelfall können alternative Heilmethoden durchaus zu einer Linderung führen. Es fehlen jedoch wissenschaftliche Belege über die Wirksamkeit, insofern kann Akupunktur oder chinesische Ernährung nicht allgemeingültig empfohlen werden. Dies kann im Einzelfall natürlich auch zu einer erheblichen finanziellen Belastung führen, da alle diese Maßnahmen selbst zu bezahlen sind. Hier besteht natürlich auch die Gefahr, daß Betroffene in ihrer Not wenig seriösen Angeboten aufliegen. Im Zweifelsfall, insbesondere bei der Frage der finanziellen Belastung einer Außenseitermethode, sollten Sie sich an einen Experten wenden oder die Frage an die Deutsche Restless-Legs Liga weitergeben. Auch dort werden im Rahmen der sehr gut organisierten Selbsthilfe Stellungnahmen zu Wirksamkeiten und Therapien abgegeben.

Dittmer : Ich höre immer öfter, dass Leute so was haben. Ist das eine Zivilisationskrankheit und hängt mit unserer Lebensform zusammen und auch mit der Ernährung?

MATTHIAS FREIDEL : Die Erstbeschreibung dieser Erkrankung war im 17. Jahrhundert in England. Der Arzt Thomas Willis hat mehrere Patienten beschrieben, die nach heutigen modernen Kriterien ein Restless-Legs-Syndrom haben. Schon dort wurde die quälende Unruhe der Beine im Zusammenhang mit Ruhe oder Zu-Bett-Gehen beschrieben. Erst 1945 wurde die Krankheit als neurologisch faßbares Krankheitsbild von einem schwedischen Arzt (Axel Ekbom) beschrieben. Aufgrund dieser langen Historie kann man sicher mit Fug und Recht sagen, daß es sich nicht um eine Zivilisationskrankheit handelt. Daß heute mehr und mehr Patienten mit dieser Erkrankung in Arztpraxen diagnostiziert werden, liegt sicher zum einen an der zunehmenden Sensibilität der Ärzte, sich diesem Thema zu stellen und natürlich auch am zunehmenden Selbstbewußtsein der Patienten, die entsprechenden Symptome nicht zu verstecken, sondern sie einem Arzt mitzuteilen.

MATTHIAS FREIDEL : Ich hoffe, daß ich die mir gestellten Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantworten konnte. Ich weiß, daß viele Fragen offen bleiben. Aber vielleicht kann aus dem Gesagten doch eine Hilfe für den Umgang mit Ihrer Krankheit und dem Umgang mit Ihren Ãrzten gezogen werden. Es hat mir Spaß gemacht, Ihnen Ihre Fragen zu beantworten. Ich wünsche allen Teilnehmern der Expertensprechstunde einen ruhigen Abend und eine ruhige Nacht. Bei manchen leider mit Medikamenten.

Ende der Sprechstunde.

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